{"id":663,"date":"2016-06-30T16:40:24","date_gmt":"2016-06-30T14:40:24","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.mb-stauffia.de\/?p=663"},"modified":"2018-01-23T21:33:33","modified_gmt":"2018-01-23T20:33:33","slug":"damenrede-zum-123-stiftungsfest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.mb-stauffia.de\/?p=663","title":{"rendered":"Damenrede zum 123. Stiftungsfest"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Bundesbr\u00fcder, gesch\u00e4tzte G\u00e4ste, verehrte Damen,<\/p>\n<p>wie vielen von Ihnen sicher bereits bekannt ist, ist es bei uns Brauch, dass der j\u00fcngste Fuchs sich an unserem Stiftungsfest mit einer kleinen Rede an die Damen wendet und ihnen seine Reverenz erweist. Dies ist eine besondere Ehre, die heute, zur 123. J\u00e4hrung der Stiftung unserer lieben M\u00fcnchener Burschenschaft Stauffia, mir zuteil wurde.<!--more--><\/p>\n<p>Einerseits handelt es sich hierbei durchaus um eine Herausforderung, ist der j\u00fcngste Fuchs doch Naturgem\u00e4\u00df zugleich der Unerfahrenste unter den Bundesbr\u00fcdern. Andererseits l\u00e4sst sich sagen, dass der J\u00fcngste eben auch noch \u00fcber die frischsten Erinnerungen an die Penn\u00e4lerzeit verf\u00fcgt, also an jene Jahre, in denen er das andere Geschlecht erstmals zu sch\u00e4tzen gelernt hatte. So reift doch im Gymnasium die Erkenntnis in den K\u00f6pfen der jungen M\u00e4nner, dass es sich bei den &#8222;Weichgesichtigen&#8220;, wie die griechischen M\u00f6nche vom Berge Athos diese mysteri\u00f6sen Leute nennen, nicht etwa um l\u00e4stige und zickige M\u00e4dchen oder \u00c4hnliches, sondern vielmehr um verehrungsw\u00fcrdige, \u00fcberirdische Wesen handelt, die zu verstehen glauben &#8222;mann&#8220; sich jedoch niemals anma\u00dfen sollte.<\/p>\n<p>Erlauben Sie, dass ich eine Beobachtung mit Ihnen teile, die meinen Blick auf die Damenwelt nicht unma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt hat. In meiner Zeit als Abiturient, in der ich mich &#8211; den Verlockungen des sch\u00f6nen Geschlechtes zum Trotz &#8211; hinreichend auf die Abschlusspr\u00fcfungen vorzubereiten versuchte, war mir eine Eigent\u00fcmlichkeit der politischen Kultur unserer Zeit aufgefallen. Ich rede hier von &#8222;Gender Mainstreaming&#8220;.<\/p>\n<p>Jene Lehre erfreut sich in unseren Tagen gro\u00dfer politischer Unterst\u00fctzung, wie beispielsweise von der Europ\u00e4ischen Union, die sich 1997 im Vertrag von Amsterdam zur Durchf\u00fchrung von Gender Mainstreaming verpflichtete. Dennoch herrscht unter Entscheidungstr\u00e4gern wie auch unter einfachen B\u00fcrgern weiterhin Unklarheit \u00fcber die Natur von Gender Mainstreaming vor.<br \/>\nDieser englische Begriff wird f\u00fcr gew\u00f6hnlich um Deutschen un\u00fcbersetzt verwendet, m\u00f6gliche wortgetreue \u00dcbersetzungen sind &#8222;Verzwitterung&#8220; oder &#8222;Geschlechtergleichmacherei&#8220;. Als ich zum ersten mal von diesem Konzept erfuhr, war ich, gelinde gesagt, mehr als nur ein wenig schockiert. Augenscheinlich bedeutete es, dass die wundersamen Damen, wie auch ihre ergebenen Diener vom Planeten Mars, mittelfristig in einer geschlechtlich beliebigen Einheitsmenschheit aufgehen sollten.<\/p>\n<p>Meine erste Frage lautete: Wie, um alles in der Welt, soll das funktionieren? Wie sollen durch und durch unvollkommene Menschen, die wir M\u00e4nner nun einmal sind, uns in unseren Denken, Trachten und F\u00fchlen, in unserem Erscheinungsbild und noch in vielerlei anderer Hinsicht an die Frauenwelt angleichen, ohne dabei hoffnungslos zu scheitern? Und weshalb sollte es den Frauen zugemutet werden, ihre Erhabenheit aufzugeben und sich durch eine Verm\u00e4nnlichung ihres Inneren und \u00c4u\u00dferen zu erniedrigen?<\/p>\n<p>Meine zweite Frage lautete: Wer kann sich so etwas w\u00fcnschen? Eine Antwort, wenn auch eine ern\u00fcchternde, gibt ein Blick in die akademische Sph\u00e4re. So befinden sich heute an 50 deutschen hochschulen insgesamt \u00fcber 200 Professuren der sogenannten Gender Studies, deren Kerninhalt die unbewiesene &#8211; und unbeweisbare &#8211; These ist, alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern seien blo\u00df gesellschaftlich anerzogen und &#8222;Frau&#8220; und &#8222;Mann&#8220; lediglich soziale Konstrukte und Rollenstereotype, die es zu \u00fcberwinden gelte. Um dies zu erreichen, m\u00fcsse aktiv in die Sprache eingegriffen werden, wobei deren Verunstaltung billigend in Kauf genommen wird. Eine arglose Weiternutzung der nat\u00fcrlich gewachsenen deutschen Sprache &#8211; z.B. der Gebrauch des generischen Maskulinums wie in &#8222;Studenten&#8220; statt &#8222;Studierende&#8220; &#8211; ger\u00e4t hierbei schnell unter Sexismusverdacht.<\/p>\n<p>Bei n\u00e4herer Betrachtung der Gender Studies wurde mir schnell deutlich, dass es sich bei deren Protagonisten meist um Vertreterinnen einer dezidiert lesbischen Spielart des Feminismus handelt. Als Feministinnen nehmen diese f\u00fcr sich in Anspruch, im Interesse der gesamten Frauenwelt zu handeln. Freilich k\u00f6nnten die Unterschiede zwischen den Damen &#8211; also den eleganten und kultivierten Frauen -, die heute hier anwesend sind, und den physisch oft geradezu bedrohlich erscheinenden Repr\u00e4sentantinnen der Gender-Zunft gravierender nicht sein.<\/p>\n<p>Und so dr\u00e4ngt sich mir der Gedanke auf, dass die Protagonistinnen von Gender Mainstreaming wom\u00f6glich ihren Kampf gegen die Zweigeschlechtlichkeit nicht aus innerer \u00dcberzeugung, sondern aus Neid auf jene Geschlechtsgenossinnen f\u00fchren, auf welche die Bezeichnung &#8222;Dame&#8220; &#8211; im Gegensatz zu ihnen selbst &#8211; zutrifft. Kurzum: auf Sie, meine Damen.<\/p>\n<p>Man kann bei Gender Mainstreaming also mit einigen Recht von einem Rachefeldzug lesbischer Radikalfeministinnen gegen jene Art von Frau sprechen, der die M\u00e4nner zu F\u00fc\u00dfen liegen, wobei das Klima zwischen den Geschlechtern vergiftet werden soll. Der alte \u00c4sop und seine Fabel vom Fuchs und den s\u00fc\u00dfen Trauben, die unerreichbar sind und kurzerhand f\u00fcr sauer erkl\u00e4rt werden, rufen sich ins Ged\u00e4chtnis,<\/p>\n<p>Nachdem sich meine gro\u00dfe Verwirrung angesichts von Gender Mainstreaming wieder gelegt hatte, begann ich, das sch\u00f6ne Geschlecht noch ungleich mehr zu sch\u00e4tzen, als ich es ohnehin bereits getan hatte. Die hypothetische Schreckensperspektive einer &#8222;Geschlechtergleichmacherei&#8220; hatte mir die naturgegebene Anmut der Frauen und die Unbegreiflichkeit der weiblichen Seele f\u00fcr den unzul\u00e4nglichen m\u00e4nnlichen Verstand klar wie nie vor Augen gef\u00fchrt. Wie gut ist es doch, so dachte ich, dass Frauen eben Frauen sind, und dass wie M\u00e4nner diese als solche anbeten d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Verehrte Damen: Bitte bleiben Sie so, wie Sie sind!<\/p>\n<p>In diesem Sinne m\u00f6chte ich nun die anwesenden M\u00e4nner bitten, sich zu erheben und mit mir auf diese erhabenen Wesen, die da Frauen hei\u00dfen und ohne die die Welt ein d\u00fcsterer Ort w\u00e4re, anzusto\u00dfen.<br \/>\nMeine Herren, ein Hoch auf die Damen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Bundesbr\u00fcder, gesch\u00e4tzte G\u00e4ste, verehrte Damen, wie vielen von Ihnen sicher bereits bekannt ist, ist es bei uns Brauch, dass der j\u00fcngste Fuchs sich an unserem Stiftungsfest mit einer kleinen Rede an die Damen wendet und ihnen seine Reverenz erweist. Dies ist eine besondere Ehre, die heute, zur 123. 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