{"id":265,"date":"2013-06-02T00:00:06","date_gmt":"2013-06-01T22:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.mb-stauffia.de\/?p=265"},"modified":"2013-06-02T12:09:56","modified_gmt":"2013-06-02T10:09:56","slug":"120-stiftungsfest-kommersrede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.mb-stauffia.de\/?p=265","title":{"rendered":"120. Stiftungsfest \u2013 Kommersrede"},"content":{"rendered":"<p>Hohe Damen, sehr geehrte Herren Burschenschafter, liebe Festgemeinde,<br \/>\nherzlichen Dank f\u00fcr die Einladung auf Ihrem 120. Stiftungsfest referieren zu d\u00fcrfen &#8211; dieser bin ich gern gefolgt.<!--more--><br \/>\nEs freut mich besonders, da ich mich seit Jahren intensiv mit dem Thema der Geschichte der technischen Burschenschaften besch\u00e4ftige.<br \/>\nUnd wie Sie wissen, liegen die Wurzeln Stauffias an der Technischen Hochschule.<br \/>\nUnd hier im sch\u00f6nen M\u00fcnchen wurde Stauffia unter Beteiligung von Teutonia Karlsruhe und Germania Darmstadt am 7. November 1893 als Verbandsburschenschaft gegr\u00fcndet.<br \/>\nMit ihrer Konstituierung wurde wieder burschenschaftliches Leben an der TH M\u00fcnchen sichtbar, nachdem sich fast 3 Jahrzehnte lang keine burschenschaftlichen Gedanken geregt hatten.<br \/>\nUnd ich m\u00f6chte und muss es mit aller Deutlichkeit sagen: Mit Stauffia hat sich das urspr\u00fcnglich technisch-burschenschaftliche Leben gl\u00fccklicherweise bis heute erhalten &#8211; auch wenn die anderen vormals rein universit\u00e4ren M\u00fcnchener Burschenschaften seit vielen Jahren auch Ingenieurstudenten aufnehmen und Stauffia nat\u00fcrlich umgekehrt Universit\u00e4tsakademiker.<br \/>\nHeute schreiben wir das Jahr 2013. Lassen sie uns 100 Jahre zur\u00fcckgehen, als Stauffia das 20. Stiftungsfest beging.<br \/>\nIm Jahr 1913 stand auch der technische Burschenschafterverband &#8211; der R\u00fcdesheimer Verband deutscher Burschenschaften (abgek\u00fcrzt RVdB) &#8211; vor einer Zeitenwende. Nur konnten es die Burschenschafter damals noch nicht in ihrer G\u00e4nze erahnen. Nur einzelne Vorzeichen deuteten diese an.<br \/>\nIch m\u00f6chte daher zwei Themen herausgreifen.<br \/>\nZum einen die burschenschaftliche Jahrhundertfeier 1915 und zum anderen das Kriegserlebnis, welche gro\u00dfe Auswirkungen auf die Geschichte der Burschenschaften und ihre Mitglieder hatten.<br \/>\nUm eine Einordnung zu erm\u00f6glichen, werde ich zuerst kurz auf die Geschichte des RVdB sowie auf die Emanzipation des Ingenieurs eingehen.<br \/>\nDer R\u00fcdesheimer Verband bildete das technische Pendant zum universit\u00e4ren Verband Deutsche Burschenschaft, die wegen ihrer in den Geschehnissen von 1815\/17, 1832\/33 und 1848 begr\u00fcndeten Tradition als geschichtsm\u00e4chtigster Studentenverband anzusehen war und ist.<br \/>\nIm Gegensatz zu den meisten anderen Korporationsverb\u00e4nden stand der technische burschenschaftliche Verband auch f\u00fcr eine politische Ideologie, die im Ringen um Gleichberechtigung und Anerkennung ihren Ausdruck fand.<br \/>\nSeine Gr\u00fcndung fiel in eine Zeit, in der die technisch-wissenschaftlichen Emanzipationsbestrebungen immer gr\u00f6\u00dferes Gewicht erlangten.<br \/>\nDer Verband, der von 1889 bis 1919 existierte, wurde dabei mit weitreichenden Ver\u00e4nderungen wissenschaftlicher, sozialer, politischer und milit\u00e4rischer Art konfrontiert.<br \/>\nIm Gegensatz zur Deutschen Burschenschaft entstand der zuerst als Niederwald Deputierten-Convent gegr\u00fcndete Technikerverband anf\u00e4nglich auf nicht-maturer Grundlage. Erst als ab 1899 die Technischen Hochschulen dazu \u00fcbergingen, das Abitur obligatorisch als Zulassungsvoraussetzungen einzuf\u00fchren, \u00fcbernahmen die meisten Burschenschaften dies in ihre Satzungen.<\/p>\n<p>Dies f\u00fchrte dazu, das sich im Jahr 1900 ein auf rein maturer Grundlage entstehender neuer Technikerverband &#8211; der sich sp\u00e4ter in RVdB umbenannte &#8211; bildete und die meisten technischen Burschenschaften in sich vereinte.<br \/>\nAm Status des Ingenieurs \u00e4nderte sich dennoch nicht viel. Denn in Deutschland wurden die Ingenieure von den Universit\u00e4tsakademikern weiterhin als Eindringlinge betrachtet, die es abzuwehren galt, um den eigenen Status zu sichern.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Gleichstellung der Technischen Hochschulen mit den Universit\u00e4ten mussten daher zuerst die Voraussetzungen angepasst werden, d. h. gleichwertige Vorbildung aller Studierenden, Aufwertung der Ausbildungsst\u00e4tten durch einheitliche Lehrpl\u00e4ne und strenge Immatrikulationsvoraussetzungen sowie Einf\u00fchrung des Promotionsrechts.<br \/>\nSchritt um Schritt wurde versucht, die Gleichberechtigung zu erlangen. Zuerst gingen die Techniker daran, die Polytechnischen Schulen in Technische Hochschulen umzuwandeln.<\/p>\n<p>Hier war ihnen von Nutzen, dass aufgrund der Zersplitterung der deutschen Staaten fast jeder Bundesstaat \u00fcber mindestens ein Polytechnikum verf\u00fcgte. Diese anf\u00e4nglich aus politischer Schw\u00e4che geborene Situation f\u00fchrte zu einer St\u00e4rkung der technischen Bildung und war auch ein Faktor, dass das Deutsche Reich zu einer der modernsten und st\u00e4rksten Wirtschaftsm\u00e4chte aufsteigen konnte.<br \/>\nDennoch verf\u00fcgte die technische Intelligenz im Deutschen Reich nur \u00fcber ein niedrigeres Sozialprestige, da der Bildungsb\u00fcrger die Matura voraussetzte. Der Bildungsb\u00fcrger setzte die Ma\u00dfst\u00e4be.<br \/>\nDer grundlegende Unterschied zum humanistisch gebildeten Studenten bestand beim &#8222;Techniker&#8220; somit in der Vorbildung.<br \/>\nIn fast allen deutschen Staaten standen dem Sch\u00fcler mit dem Erwerb der Matura am Gymnasium alle Studieng\u00e4nge offen.<br \/>\nDie Schultypen Gymnasium, Realgymnasium und Oberrealschule unterschieden sich durch die Sprachen. Hier Altsprachlich, dort Neusprachlich\/Naturwissenschaftlich orientiert.<br \/>\nDie altsprachlichen Schulen wurden zum konstitutiven Identifikationsmerkmal der akademischen Eliten und entsprachen eher dem Ideal des Bildungsb\u00fcrgers als die aus diesem Blickwinkel vermeintliche Schulbildung des Technikers.<br \/>\nDer Aufstiegskampf der Ingenieure musste daher \u00fcber die stufenweise Versch\u00e4rfung der Aufnahmekriterien an den Technischen Hochschulen gelingen.<br \/>\nOder, so eine weitere M\u00f6glichkeit, man versuchte die bildungsb\u00fcrgerliche Schranke zu \u00fcberwinden, indem man eine nationale, soziale und politische Vorreiterrolle \u00fcbernahm.<br \/>\nUnd dies wurde vom R\u00fcdesheimer Verband \u00fcberaus erfolgreich praktiziert, sei es,<br \/>\no dass dieser durch Mitgliedschaften in v\u00f6lkischen und nationalen Verb\u00e4nden eine konsequente Netzwerkarbeit zur F\u00f6rderung des Ansehens betrieb,<br \/>\no dass der RVdB im sogenannten Ultramontanismusstreit, d. h. bei der Bek\u00e4mpfung der katholischen Studentenverbindungen an Universit\u00e4ten und Technischen Hochschulen, den Ton angab, oder<br \/>\no in der &#8222;Ausl\u00e4nderfrage&#8220; zum Leitverband wurde.<br \/>\nTrotz der politischen Vorreiterrolle blieb das Verh\u00e4ltnis zum gro\u00dfen Bruderverband, der Deutschen Burschenschaft zeitlebens angespannt.<br \/>\nViel zu h\u00e4ufig hatte die DB dem Technikerverband \u00f6ffentlich die Gleichwertigkeit abgesprochen.<br \/>\nDie Bruchlinien zeigten sich u.a. bei der Ausrichtung einer gemeinsamen burschenschaftlichen Jahrhundertfeier, d.h. von DB, RVdB und Burschenschaft der Ostmark (BdO). Der RVdB war zu einer gemeinsamen Feier mit der DB &#8222;nur auf Grund vollst\u00e4ndiger Gleichberechtigung&#8220; bereit. Dies war von der Deutschen Burschenschaft jedoch nicht beabsichtigt, wie sich bereits 1912 herausstellte. Der Universit\u00e4tsverband gedachte lediglich Abordnungen des RVdB und BdO zu den Festlichkeiten zuzulassen.<br \/>\nWar einerseits der Grund der Ablehnung des R\u00fcdesheimer Verbandes im Elitarismus der DB zu finden, so wollte sie andererseits nicht in das politische Fahrwasser der \u00f6sterreichischen Burschenschafter geraten, die meist mit deutschnationalen Parteien und Vereinen in der Donaumonarchie eng verbunden waren, ja diese sogar meist gegr\u00fcndet hatten. Germania Hannover hingegen war an einer vollst\u00e4ndigen Gleichberechtigung gelegen. Sie forderte daher den RVdB auf, Vorbereitungen f\u00fcr eine eigene Veranstaltung zu treffen. Frisia Darmstadt sah hingegen durch eine parallele Veranstaltung negative Folgen heraufziehen.<\/p>\n<p>Denn die vielbeschworene Einigkeit der Burschenschaft w\u00fcrde in der \u00d6ffentlichkeit als Chim\u00e4re enttarnt werden. Um dies zu verhindern, sprach sie sich f\u00fcr inoffizielle Gespr\u00e4che mit der DB aus.<br \/>\nHilaritas Stuttgart erkl\u00e4rte: &#8222;Ich bitte, uns nachzuweisen, da\u00df wir der Deutschen Burschenschaft nachlaufen. Da kennen Sie die St[uttgarter] B[urschenschaft] schlecht. Wir wollen voll und ganz f\u00fcr unsere Sache eintreten, die Versicherung kann ich Ihnen geben. Wir werden in keiner Weise nachgeben. Wir wollen nur den Versuch machen, eine gemeinsame gro\u00dfe Sache zu machen.&#8220;<\/p>\n<p>Der Altherren-Ausschuss Berlin des RVdB f\u00fchrte aus, dass in den Kreisen der Alten Herren beider Verb\u00e4nde eine &#8222;Auss\u00f6hnung&#8220; und &#8222;vollkommene Anerkennung [&#8230;] nur m\u00f6glich sei am Tage der Jahrhundertfeier, der alle Burschenschafter zur gemeinsamen Feier der Geburtsstunde des burschenschaftlichen Gedankens zusammenf\u00fchren mu\u00df.&#8220;<br \/>\nDer Deutschen Burschenschaft war jedoch nur daran gelegen, die Disharmonie nicht in der \u00d6ffentlichkeit bekannt werden zu lassen.<br \/>\nDenn diese hatte sich endg\u00fcltig auf eine getrennte Jahrhundertfeier festgelegt. Der Universit\u00e4tsverband gedachte nach wie vor, nur Abordnungen des RVdB und BdO zu den Festlichkeiten zuzulassen, da &#8222;die Wohnungs- und Raumverh\u00e4ltnisse in Jena [&#8230;] au\u00dferordentlich beschr\u00e4nkt&#8220; seien.<br \/>\nInnerhalb des R\u00fcdesheimer Verbands wurde dies als Vorwand erachtet, die Techniker von einer gemeinsamen Veranstaltung auszuschlie\u00dfen. Viel zu sehr waren die jahrelangen &#8222;Zur\u00fccksetzungen oder Minderachtungen&#8220; pr\u00e4sent, als dass dieser Grund f\u00fcr bare M\u00fcnze genommen wurde. Innerhalb des RVdB entbrannte eine Diskussion dar\u00fcber, wie zu reagieren sei. Nach Ansicht von Germania Hannover war sich der RVdB &#8222;selbst genug und kann auch eine w\u00fcrdige Jahrhundertfeier zustande bringen.&#8220; Auch das Mitglied der gemeinsamen Burschenschaftlichen Historischen Kommission von DB, RVdB und BdO, der Karlsruher Teutone Albert Benz, stellte resignierend fest, dass eine Intervention &#8222;der Berliner Alten Herren nur einen ideellen Erfolg, aber keinen praktischen&#8220; zeitigen w\u00fcrde. Germania Darmstadt und Alemannia Stuttgart redeten einer gemeinsamen Veranstaltung beider Verb\u00e4nde das Wort und sprachen sich f\u00fcr weitere Verhandlungen mit der DB aus. Innerhalb des R\u00fcdesheimer Verbandes rumorte es gewaltig.<br \/>\nStauffia M\u00fcnchen schlug vor, mit der Burschenschaft der Ostmark eine Veranstaltung abzuhalten, zumal &#8222;in deren Kreisen Mi\u00dfstimmung \u00fcber das Verhalten der Deutschen Burschenschaft&#8220; herrsche.<br \/>\nWie stark sich die Burschenschafter zur\u00fcckgesetzt f\u00fchlten, wurde beim Vertreter Arminia Karlsruhes deutlich. Er warf der DB vor, &#8222;dass sie keine Burschenschaft&#8220; sei.<br \/>\nDa es keine eindeutige Meinung gab, setzte der R\u00fcdesheimer Verband im Mai 1913 einen Ausschuss ein, bestehend aus der Stuttgarter Burschenschaft und der Rheinisch-Westf\u00e4lischen VAB.<br \/>\nDieser sollte die DB davon in Kenntnis setzen, dass der Technikerverband eine eigene Jahrhundertfeier in R\u00fcdesheim zu begehen beabsichtige, aber eine gemeinsame Veranstaltung weiterhin vorziehe. &#8212; Nachdem der Ausschuss durch Albert Benz \u00fcber n\u00e4here Details des DB-Beschlusses informiert worden war, verzichtete der Verband auf die \u00dcbersendung des Beschlusses und nahm eine abwartende Haltung ein. Die aus allen Verb\u00e4nden gemischten VABen sprachen sich weiterhin f\u00fcr eine Gesamtveranstaltung aller burschenschaftlichen Verb\u00e4nde aus, da &#8222;heutzutage kein Anlass mehr vorliegt, einen grunds\u00e4tzlichen Unterschied zu machen zwischen Universit\u00e4ts- und Hochschul-Burschenschaftern, zumal [alle] das reine Maturit\u00e4tsprinzip haben.&#8220;<br \/>\nDa die DB nicht von ihrem Beschluss abr\u00fcckte, brach der R\u00fcdesheimer Verband alle weiteren Verhandlungen mit der DB ab und entschied, die Jahrhundertfeier in Eisenach am 1. April 1915 &#8211; am 100. Geburtstag Bismarcks &#8211; in Eigenregie zu begehen. Die Dresdner Burschenschaft wurde wegen ihrer guten Kontakte nach \u00d6sterreich aufgefordert, die dortigen Burschenschaften einzubinden. Dennoch wurden seitens einzelner Alter Herren weitere vertrauliche Gespr\u00e4che gef\u00fchrt.<br \/>\nIm April 1914 fand daraufhin in Magdeburg eine gemeinsame Sitzung aller drei Verb\u00e4nde statt, an welcher der RVdB unverbindlich teilnahm. Es stellte sich heraus, dass gegenseitige Missverst\u00e4ndnisse zum Abbruch der fr\u00fcheren Verhandlungen gef\u00fchrt hatten. Die Aussprache f\u00fchrte zu einer Kl\u00e4rung der Verh\u00e4ltnisse und zu einer gemeinsamen Entschlie\u00dfung: &#8222;Vorbehaltlich der Zustimmung der drei Verb\u00e4nde soll nach Ma\u00dfgabe des Protokolls vom 26. April 1914 eine gemeinsame Jahrhundertfeier zu Eisenach abgehalten werden.&#8220;<\/p>\n<p>Der RVdB legte aber Wert darauf, dass &#8222;unbedingt auf volle Gleichberechtigung&#8220; bei allen k\u00fcnftigen Verhandlungen und Festlichkeiten gedrungen werden m\u00fcsse. Die Deutsche Burschenschaft wies hingegen darauf hin, dass der RVdB davon absehen solle, &#8222;die prinzipielle Stellung der beiden Verb\u00e4nde zueinander in die Diskussion hineinzuziehen&#8220;. Gleichzeitig teilte sie aber mit, dass sie eine Revision ihrer Stellung zum Technikerverband anstrebe. Danach war vorgesehen, dass &#8222;die D.B. mit dem R.V.d.B. in dasselbe Verh\u00e4ltnis tritt, wie mit der Burschenschaft der Ostmark, soweit es Gru\u00dfverh\u00e4ltnis und Anerkennung der schweren Waffen betrifft.&#8220;<br \/>\nInnerhalb der Deutschen Burschenschaft war man zu der Einsicht gelangt, dass &#8222;dem R\u00fcdesheimer Verband die volle Gleichberechtigung bis jetzt versagt&#8220; worden war und die DB sich &#8222;tats\u00e4chlich gegen\u00fcber [diesem] manche Unklarheiten [habe] zu schulden kommen&#8220; lassen.<br \/>\nDer Kriegsausbruch 1914 unterbrach j\u00e4h die Vorbereitungen f\u00fcr den 100. Gr\u00fcndungstag der Burschenschaft. Die politischen Wirren, die nach der Ermordung des \u00f6sterreichisch-ungarischen Thronfolgers in Europa ab Ende Juni 1914 herrschten, hatten die Burschenschafter in den Semesterferien \u00fcberwiegend vollkommen unvermittelt erfa\u00dft. Die Korporationsverb\u00e4nde stellten ihre Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit ein.<br \/>\nF\u00fcr die Studenten bedeutete der Weltkrieg eine Z\u00e4sur &#8211; der Streit unter den Korporationsformen und der Freistudentenschaft wurde von diesem Ereignis \u00fcberlagert. Die Studenten suchten nun das Gemeinsame, die Treue zum Vaterland. Diese war unverr\u00fcckbar mit dem Bewu\u00dftsein verbunden, das Vaterland verteidigen zu m\u00fcssen, zumal Ru\u00dfland als erstes die Mobilmachung ausrief.<br \/>\nDies best\u00e4tigte Professor August F\u00f6ppl (Germania Darmstadt), der &#8222;ein Raub- oder Rachebegehren gegen den Erbfeind in Frankreich&#8220; unter &#8222;den gebildeten Volksschichten&#8220; verwarf.<\/p>\n<p>Es herrschte &#8222;h\u00f6chstens eine Rauflust, zu der sich die Jugend leicht aufstacheln l\u00e4\u00dft&#8220; vor.<br \/>\nHinzu kam, da\u00df die Burschenschafter mit Eintritt in die Verbindung den Schwur abgelegt hatten, auch im Kriegsfall f\u00fcr ihr Vaterland einzutreten. Die Satzung von Frisia Darmstadt forderte dies explizit:<br \/>\n&#8222;Dem deutschen Vaterlande alle Kr\u00e4fte zu weihen, ihm in Krieg und Frieden mit aller Treue zu dienen, macht die Burschenschaft zur unbedingten Pflicht ihrer Mitglieder.&#8220;<br \/>\nWeitere Faktoren f\u00fcr das spontane Eintreten f\u00fcr die Belange des Staates fanden sich in dem studentischen Ehrbegriff und der Satisfaktion. Diese wurden als &#8222;Ausdruck individueller Wehrhaftigkeit&#8220; wahrgenommen und auf das Vaterland \u00fcbertragen. Opferbereitschaft und Disziplin waren konstitutive Elemente der schulischen Erziehung, so da\u00df die Mensur die milit\u00e4rische Einsatzbereitschaft nur verst\u00e4rkte. Die angehenden Akademiker sahen sich aufgrund ihrer k\u00fcnftigen gesellschaftlichen wie politischen Funktion berufen, die F\u00fchrungsrolle auch im Krieg einzunehmen. Dar\u00fcber hinaus wurde der Krieg nicht in Frage gestellt, sondern galt als fortschrittsbegr\u00fcndend.<br \/>\nDie Leistungen der Ingenieure wurden mit Beginn des Weltkrieges neu interpretiert. Die Ingenieurwissenschaften galten nun &#8222;als treuer Dienst am Vaterland&#8220;. Zur Ansehenssteigerung der Ingenieure trugen Studenten wie &#8222;Flieger-A\u00df&#8220; und Pour le M\u00e9rite-Ordenstr\u00e4ger Max Immelmann (Akademischer Turnbund Alsatia Dresden) bei.<br \/>\nDie Ausrufung der Generalmobilmachung in Ru\u00dfland und der darauf unmittelbar folgende Kriegsausbruch f\u00fchrten zu patriotischen Bekenntnissen und Kundgebungen unter den Universit\u00e4tsstudenten wie unter den angehenden Ingenieuren.<\/p>\n<p>Die Mitglieder von Rugia Berlin trafen sich am Mobilmachungstag auf ihrer Kneipe, &#8222;als ob es selbstverst\u00e4ndlich war&#8220;.<br \/>\n&#8222;Es wurden gro\u00dfe Reden geschwungen, die auch gehalten wurden. Danach ging es auf die Stra\u00dfe, (\u2026). Wir k\u00e4mmten das alte Quartier Latin ab. Vor jedem Hause, in dem eine Korporation sa\u00df, forderten wir mit einem schmissigen &#8222;Burschen heraus&#8220; zum Mitkommen auf. Wir vorneweg, der Schwanz wurde immer gr\u00f6\u00dfer. Vor dem Reichstagsgeb\u00e4ude hielt Beckmann eine z\u00fcndende Ansprache. (\u2026) Und durch die Bank waren wir am n\u00e4chsten Morgen Kriegsfreiwillige \u2026&#8220;<br \/>\nDas gemeinsame Kriegserlebnis zeitigte unter den Verb\u00e4nden und ihren Mitgliedern nicht nur ein neues Verst\u00e4ndnis, es schwei\u00dfte zusammen.<br \/>\nDer Marburger Geheime Justizrat Georg Heer &#8211; Alter Herr der Burschenschaft Arminia Marburg &#8211; konstatierte: &#8222;Auf den Schlachtfeldern und in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben k\u00e4mpften Angeh\u00f6rige der farbentragenden und der schwarzen Verbindungen, der schlagenden und der keine Waffengenugtuung gebenden Verbindungen und Studenten, die keiner Verbindung angeh\u00f6rten, Schulter an Schulter und lernten sich gegenseitig kennen und sch\u00e4tzen&#8220;.<\/p>\n<p>Ganz auff\u00e4llig war dies unter den technischen Burschenschaften, die sich nun als gleichberechtigter Teil ansahen. Festveranstaltungen wie die Jahrhundertfeier der Deutschen Burschenschaft 1915 wurden gemeinsam begangen. Die rein an Universit\u00e4ten beheimatete Deutsche Landsmannschaft nahm 1915 erstmals eine technische Korporation auf (Alemannia Dresden) und erweiterte so ihren Radius auf die Technischen Hochschulen.<br \/>\nDie personell dezimierten VAB organisierten in einzelnen St\u00e4dten sowie einzelne Burschenschafter an verschiedenen Frontabschnitten kleinere Veranstaltungen.<\/p>\n<p>Trotz des Krieges gelang es den beiden reichsdeutschen Burschenschaftsverb\u00e4nden am 12. Juni 1915 eine gemeinsame Jahrhunderfeier mit knapp 600 Teilnehmern in Berlin zu organisieren, an der auch Vertreter der politischen Prominenz teilnahmen. Die Burschenschafter gelobten in einer Depesche ihre &#8222;unverbr\u00fcchliche Treue zu Kaiser und Reich&#8220; und dr\u00fcckten &#8222;die Hoffnung auf einen Sieg der deutschen Waffen&#8220; aus. Wilhelm II. erwiderte das Huldigungstelegramm, indem er den Burschenschaftern seine dankbare Anerkennung f\u00fcr ihre Opferbereitschaft aussprach.<\/p>\n<p>An den Hochschulen kamen die Vorlesungen vor\u00fcbergehend zum Erliegen, die Korporationen schlossen, wie in Aachen und Breslau, zeitweise ihren Betrieb. Im Sommersemester 1915 sank die Zahl der Studenten an den Technischen Hochschulen von Aachen, Berlin, Breslau, Darmstadt, Karlsruhe und M\u00fcnchen auf 18% der Vorkriegsjahre. Die Bergakademie Clausthal stellte den Lehrbetrieb aus Mangel an Studenten bis Ende des Wintersemesters 1917\/18 ein.<br \/>\nDie Burschenschafter meldeten sich &#8211; soweit sie keinen Einberufungsbefehl erhielten &#8211; in einem hohen Ma\u00df freiwillig zum Milit\u00e4r.<\/p>\n<p>In milit\u00e4rischer Verwendung befanden sich bei Kriegsausbruch 50.000 Hochsch\u00fcler; dies entsprach knapp 76% der 66.000 reichsangeh\u00f6rigen m\u00e4nnlichen Studenten. Unter diesen 76% fanden die Studenten, die jahrzehntelang um die Reputation ihres Standes gek\u00e4mpft hatten, die h\u00f6chste Verwendung. Rekrutiert wurden an Ingenieur- und landwirtschaftlichen Studenten 88%, an Bergbaustudenten 90%, an angehenden Tier\u00e4rzten 92%, und an Forststudenten fast 100%. Da\u00df die Zahl der Universit\u00e4tsstudenten hingegen abfiel, lag im wesentlichen daran, da\u00df Theologen nicht pflichtrekrutiert wurden und sich freiwillig melden mu\u00dften sowie, da\u00df ein h\u00f6herer Prozentsatz an Frauen an Universit\u00e4ten als an Technischen Hochschulen studierten.<br \/>\nVon den drei burschenschaftlichen Verb\u00e4nden (Deutsche Burschenschaft, RVdB und Burschenschaft der Ostmark) wurden 14.000 Burschenschafter eingezogen. Davon fiel fast jeder Vierte [um die 3.400].<br \/>\nWie bereits dargelegt, stellten der Weltkrieg und der einigende Nationalismus einen integrativen Faktor dar, der Ventile \u00f6ffnete und als Katalysator Ingenieur und Universit\u00e4tsabsolvent einander n\u00e4herbrachte. Er schwei\u00dfte sie mit den anderen Kriegsteilnehmern zu einer sogenannten &#8222;Volksgemeinschaft&#8220; zusammen. Die gesellschaftliche Anerkennung wurde ihnen aufgrund ihrer wissenschaftlich-milit\u00e4rischen Leistungen zu Teil.<br \/>\nDazu trugen renommierte Wissenschaftler wie Professor Alois Riedler bei, die die Gunst der Stunde erkannten und der Technik einen zentralen Platz innerhalb der Kultur zuwiesen. Der bildungsb\u00fcrgerliche Kulturbegriff war um die Technik erweitert worden.<br \/>\nDa\u00df die Hochschulen kriegsbedingt nicht geschlossen und ihre finanziellen Mittel nur bedingt gek\u00fcrzt wurden, lag am &#8222;gesamtgesellschaftlichen Interesse&#8220; &#8211; der Erf\u00fcllung der traditionellen wissenschaftlichen Aufgaben. Das Kulturgut Bildung diente sozusagen als Ersatz f\u00fcr die prek\u00e4re Unterversorgung der Bev\u00f6lkerung mit Nahrungs- und Konsumg\u00fctern. Ein weiterer Aspekt war die kriegswissenschaftliche Forschung.<br \/>\nLaut einer Untersuchung von Bettina Grundler wurde keine systematische Forschung zu Kriegszwecken betrieben. Nur in geringem Ma\u00df erfolgten Forschungen an der Charlottenburger Hochschule und im Kaiser-Wilhelm-Institut. Da\u00df an der TH Darmstadt &#8222;waffentechnische Vortr\u00e4ge&#8220; gehalten wurden und eine einzigartige, &#8222;unter Mitwirkung der deutschen Industrie ins Leben gerufene waffentechnische Sammlung der Hochschule&#8220; existierte, war von der Wissenschaft bis vor einigen Jahren \u00fcbergangen bzw. nicht beachtet worden. Die Vortr\u00e4ge \u00fcber Waffentechnik hielt Major a. D. Hermann von Pfister-Schwaighusen (Germania Darmstadt) &#8211; dem die Einf\u00fchrung des Adjektivs &#8222;v\u00f6lkisch&#8220; f\u00fcr &#8222;national&#8220; zugeschrieben wird.<br \/>\nZusammen mit seinem Bundesbruder Otto Schwab versuchte er den Studenten &#8222;den h\u00f6heren Wert auf die Betrachtung der ballistischen Grundlagen zu legen und den Ursachen von Fehlergebnissen beim Schie\u00dfen wissenschaftlich nachzuforschen.&#8220; Somit existierte neben der zum Heer geh\u00f6renden Artilleriepr\u00fcfungskommission (Schie\u00dfplatz Kummersdorf) eine weitere Forschungsstelle. Da\u00df sich nur in Charlottenburg und Darmstadt Lehrst\u00fchle mit der wissenschaftlichen Erforschung der Kriegstechnik &#8211; und auch nur am Rande &#8211; befa\u00dften, wurde von Pfister-Schwaighusen fr\u00fchzeitig als Manko f\u00fcr den kriegerischen Eventualfall angesehen.<\/p>\n<p>Erst w\u00e4hrend des Krieges nahmen weitere Lehrst\u00fchle in Aachen, Dresden und Karlsruhe R\u00fcstungsaufgaben wahr, u.a. Fritz Haber, Mitglied im Naturwissenschaftlichen Verein Studierender Heidelberg. Otto Schwab ging seinen Forschungen gemeinsam mit seinem Mitarbeiter und Bundesbruder Kurt Wilhelm Runge direkt am Kriegsschauplatz nach. Seine Erfindungen (u. a. Brennz\u00fcnderschie\u00dfverfahren) wurden anf\u00e4nglich genauso wenig wie diejenigen von Prof. Karl Fredenhagen (Messung mit Oszillographen) vom Milit\u00e4r gepr\u00fcft und \u00fcbernommen, obwohl sie f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse dem modernsten technischen Stand entsprachen und kriegstechnisch eminent wichtig gewesen w\u00e4ren.<br \/>\nFredenhagens Oszillograph wurde erst 1918 eingesetzt. Das erfolgreiche Brennz\u00fcnderschie\u00dfverfahren wurde ab 1916 in allen Armeen der Mittelm\u00e4chte eingesetzt, wobei die \u00f6sterreichische Armee es zu 100% umsetzte. Wie erfolgreich dieses Schie\u00dfverfahren war, zeigte sich daran, da\u00df Schwab zweimal f\u00fcr den Pour le m\u00e9rite vorgeschlagen wurde.<br \/>\nDer Verbandszeitung &#8211; sowie den Kriegszeitungen der jeweiligen Burschenschaften &#8211; kamen w\u00e4hrend des Krieges eine stark integrative Stellung als Sprachrohr der Burschenschafter zu.<\/p>\n<p>\u00dcber die Sch\u00fctzengr\u00e4ben hinweg bot das Organ die M\u00f6glichkeit, den Kontakt mit der nicht im Feld stehenden Au\u00dfenwelt zu halten.<br \/>\nEs vermittelte Zusammenhalt und brachte den Kriegsalltag &#8211; wenn auch in heroisch verkl\u00e4rter Form &#8211; in die Wohnzimmer der Mitglieder und ihrer Familien. Dar\u00fcber hinaus verschaffte die Zeitschrift einen privaten Raum, der Abwechslung in den tristen Kriegsalltag brachte.<br \/>\nInnerhalb der Regimenter schlossen sich Burschenschafter untereinander zusammen und zelebrierten ihre Br\u00e4uche. Kneipen wurde geschlagen, Kommerslieder gesungen und Erinnerungen ausgetauscht.<br \/>\nViele Burschenschafter trugen ihr Couleurband unter dem Rock, um damit zu zeigen, da\u00df sie den Schwur aus ihrer Studentenzeit f\u00fcr &#8222;Ehre, Freiheit, Vaterland&#8220; einzutreten, einzul\u00f6sen bereit waren. Dies f\u00f6rderte die Gemeinschaft und bezeugte ihre Herkunft und Stellung nach au\u00dfen.<br \/>\nWie stark die Verbindungsgemeinschaft w\u00e4hrend des Krieges wirkte, zeigt die Kriegsbeschreibung eines Mitgliedes von Teutonia Aachen:<br \/>\n&#8222;Als Begleiter war uns bei unserer Kolonne Geheimrat [Prof. Karl] Haussmann [Ulmia Stuttgart] von der Aachener Hochschule, (&#8230;) beigegeben; auch ein alter Burschenschafter. Zu uns [Professor Max Schmid-Burgk, Teutonia Aachen; Wilhelm M\u00fchlh\u00e4user [Teutonia Aachen] gesellte sich [Paul] Holl\u00e4nder (Alania Aachen) (&#8230;). So standen wir vier Burschenschafter im Sch\u00fctzengraben, wenige hundert Meter vom Feind (&#8230;).&#8220;<br \/>\nJe l\u00e4nger der Krieg dauerte, desto kritischer \u00e4u\u00dferten sich die an der Front k\u00e4mpfenden Burschenschafter. Bereits die Marneschlacht im September 1914 und der Tod vieler junger Soldaten lie\u00dfen ahnen, da\u00df der Krieg lang und entbehrungsreich werden w\u00fcrde. Dies zeigte sich auch innerhalb des RVdB. Die &#8222;Neutralit\u00e4tsverletzung Belgiens [und] die Zerst\u00f6rung belg[ischer] St\u00e4dte und D\u00f6rfer&#8220;, die &#8222;b\u00f6ses Blut&#8220; in den USA erzeugten, wurden bereits 1914 kritisiert. Dennoch akzeptierten es die Burschenschafter noch als &#8222;gerechtfertigtes&#8220; milit\u00e4risches Mittel.<br \/>\nAb 1916 setzte langsam ein Umdenken bei vielen Burschenschaftern ein. Ein Mitglied von Stauffia M\u00fcnchen sprach sich 1916 f\u00fcr gem\u00e4\u00dfigte Kriegsziele aus: &#8222;Gar eine Dem\u00fctigung Englands werden wir in diesem Kriege leider, leider nicht erreichen. Wir m\u00fcssen trachten, einen anst\u00e4ndigen Frieden zu erk\u00e4mpfen, denn nicht unsere, sondern die Kr\u00e4fte des Gegners werden immer gr\u00f6\u00dfer.&#8220; Ein Bundesbruder von ihm gab 1917 offen zu, da\u00df &#8222;uns die Franzosen bei Verdun gehauen haben.&#8220;<\/p>\n<p>Immer deutlicher wurde in den Kriegsbriefen die &#8222;Sehnsucht nach jenem Tag, wo der Soldat zur\u00fcckkehrt ins Leben, in die Menschlichkeit&#8220; postuliert.<br \/>\nLetztendlich mu\u00dfte der Stauffia-Chronist, Max Steigner, feststellen, da\u00df &#8222;der heldische Endkampf der deutschen Heere in den Kriegsbriefen gar keinen Niederschlag&#8220; fand.&#8220;<br \/>\nDie enthusiastische Aufbruchstimmung vom Kriegsbeginn schlug aufgrund des Stellungskrieges in einen Durchhaltepathos um.<br \/>\nBereits 1915 hatte sich die Wahrnehmung des Krieges ver\u00e4ndert. In den Feldpostbriefen wurde der Durchhaltewillen bekr\u00e4ftigt.<br \/>\n&#8222;Den Frieden wollen [die Briten] nicht haben, dies Kr\u00e4mergesindel, gut, sie werden den Krieg noch anders zu sp\u00fcren bekommen, das f\u00fchlt jeder Mann hier drau\u00dfen. Schade und bedauerlich um die vielen Opfer, die noch notwendig sind, sie m\u00fcssen gebracht werden, um unser teures Vaterland vor den Hy\u00e4nen der Kultur zu retten.&#8220;<br \/>\nIn den Kriegsbriefen der Burschenschafter wich die Siegeszuversicht einer sich immer weiter ausbreitenden fatalistischen Grundstimmung. Der Krieg wurde monumentalisiert und das Sterben f\u00fcr Deutschland heroisiert. Seit 1914 war ein F\u00fcnftel der Gesamtstudentenschaft gefallen &#8211; mehr als in allen anderen Bev\u00f6lkerungsschichten.<\/p>\n<p>Mit dem Frieden von Brest-Litowsk am 3. M\u00e4rz 1918 trat im Osten eine Befriedung ein, die vom Milit\u00e4r genutzt wurde, um im Westen eine Entscheidung herbeizuf\u00fchren.<br \/>\nDie Anfangserfolge der Fr\u00fchjahrsoffensive f\u00fchrten in Deutschland zu gro\u00dfen Hoffnungen und l\u00f6sten Begeisterungsst\u00fcrme aus. Eine Grundstimmung, die von Illusionen und Siegglauben gepr\u00e4gt war, machte sich im Volk und bei den Soldaten bemerkbar.<br \/>\nAb Mitte Juli 1918 brachen die Entlastungsangriffe durch die einsetzende Gegenoffensive der Alliierten zusammen.<\/p>\n<p>Diesen gelang es, durch den Masseneinsatz von Tanks und die damit einhergehende fortschreitende Demoralisierung der Truppe, tief in die deutschen Stellungen einzudringen, so da\u00df die Oberste Heeresleitung die Front im September in die &#8222;Siegfriedstellung&#8220; zur\u00fcckverlegen mu\u00dfte.<br \/>\nDie Niederlage war unvermeidbar und die Oberkommandierenden Hindenburg und Ludendorff milit\u00e4risch wie politisch gescheitert. F\u00fcr wie aussichtslos die Burschenschafter die Situation hielten, belegt der Feldpostbrief eines Mitgliedes von Rheno-Guestfalia Darmstadt vom 19. Oktober 1918:<br \/>\n&#8222;Mit durchschossenen Hosen und eben solchen Mantel, dreckig von oben bis unten, kamen wir gestern aus dem Schlamassel zwischen Cambrai und Quentin heraus. Bleiben drei Tage hinter der Front in Reserve, kommen dann wieder vor. W\u00e4re alles sch\u00f6n und gut, wenn man w\u00fc\u00dfte, da\u00df die Heimat hinter einem steht. Das tut sie aber nicht im Geringsten. Es ist eine Schande. Man sch\u00e4mt sich der Regierung und des Reichstages. Man wei\u00df hier nicht mehr, f\u00fcr was man sich eigentlich die Knochen kaputt schie\u00dfen l\u00e4\u00dft.&#8220;<br \/>\nDie Niederlage des Deutschen Reiches und die sich daraus ergebenden Folgen lie\u00dfen das Trennende unter den Burschenschaften zur\u00fccktreten.<br \/>\nGerade die Jahrhundertfeier hatte erstmals die akademischen, technischen und \u00f6sterreichischen Burschenschafter offiziell zusammengef\u00fchrt und muss als Ausgangspunkt f\u00fcr die Fusion der drei Verb\u00e4nde im Jahr 1919 angesehen werden. Zudem lie\u00df der Krieg die fr\u00fcheren Gegens\u00e4tze zwischen Akademiker und Techniker, wenn nicht verschwinden, so doch verschwimmen.<br \/>\nAm 22. November 1918 trafen sich in Berlin 400 Burschenschafter aus beiden Verb\u00e4nden und forderten eine Politisierung der Burschenschaft.<br \/>\nSie gestanden sich ein, da\u00df an der Niederlage Deutschlands und den daraus resultierenden Begleiterscheinungen politischer, sozialer und wirtschaftlicher Art, sowohl die politische Bildungslosigkeit des B\u00fcrgertums, als &#8222;leider auch das akademische B\u00fcrgertum&#8220; und somit sie selbst die Schuld tr\u00fcgen. Insbesondere dem Primat der gesellschaftlichen Einstellung und der Angleichung an die Corps wurde gehuldigt, da nach dem Krieg von 1870\/71 das Ziel der Burschenschaft, die Einheit der Nation, erreicht schien.<br \/>\nAm 4. Januar 1919 war es soweit. Beide Verb\u00e4nde fanden sich in Berlin zu getrennten Sitzungen ein.<br \/>\nDa die Erringung der Gleichberechtigung das oberste Ziel des Technikerverbands war, sprach er sich ohne Gegenstimme f\u00fcr die Zusammenlegung aus. Deutsche Burschenschaft und RVdB fusionierten zur Deutschen Burschenschaft.<br \/>\nAuf dem 1. Burschentag nach dem Krieg Anfang August 1919 wurde in Eisenach die Vereinigung mit der Burschenschaft der Ostmark vollzogen. Die Deutsche Burschenschaft stieg zum mitgliederst\u00e4rksten deutschen Akademikerverband auf.<\/p>\n<p>Hoch verehrte Damen, sehr geehrte Herren Burschenschafter!<br \/>\nEines neuen Krieges bedarf eine k\u00fcnftige Einigung aller Burschenschaften in Deutschland, \u00d6sterreich und Chile hoffentlich nicht mehr. Dennoch sollten wir alle Hoffnung in die anstehende 200. Jahrfeier der Burschenschaft setzten und die Differenzen baldigst friedlich beilegen. Denn das hat die Deutsche Burschenschaft als historisch geschichtsm\u00e4chtigster Verband verdient!<br \/>\nIch w\u00fcnsche ihr, aber heute ganz besonders Stauffia,<br \/>\nein vivat, crescat, floreat! Vielen Dank!<\/p>\n<p><em>Festredner: Dr. Frank Grobe (Aachener Burschenschaft Teutonia)<\/em><\/p>\n<p>Quellen:<br \/>\nGrobe, Frank: Zirkel und Zahnrad. Ingenieure im b\u00fcrgerlichen Emanzipationskampf um 1900 &#8211; Die Geschichte der technischen Burschenschaft, in: Oldenhage, Klaus (Hrsg.), Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, Bd. 17, Heidelberg 2009.<br \/>\nGrobe, Frank: &#8222;Burschen heraus!&#8220; &#8211; Das Kriegserlebnis 1914-1918 und die Emanzipation der Ingenieure, in: M\u00fcller, Harald\/E\u00dfer, Florian (Hrsg.), Wissenskulturen. Bedingungen wissenschaftlicher Innovation (= Studien des Aachener Kompetenzzentrums f\u00fcr Wissenschaftsgeschichte; Bd. 12), Kassel 2012, S. 149-169.<\/p>\n<p><em>\u00a0<a href=\"http:\/\/blog.mb-stauffia.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Kommersrede_120.Stiftungsfest_MB_Stauffia.pdf\">Kommersrede_120.Stiftungsfest_MB!_Stauffia.pdf<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hohe Damen, sehr geehrte Herren Burschenschafter, liebe Festgemeinde, herzlichen Dank f\u00fcr die Einladung auf Ihrem 120. 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